Was ist eine Tracheotomie?
Bei einer Tracheotomie wird vorübergehend oder dauerhaft ein anderer Zugang zur Luftröhre geschaffen, damit der Organismus mit ausreichend Sauerstoff versorgt ist. Dabei wird die Luftröhre im Bereich des Halses von außen aufgeschnitten oder punktiert. Der Sauerstoff gelangt dann mithilfe einer Trachealkanüle durch die neue Öffnung in den Körper. Ohne zu atmen überlebt der Mensch nur wenige Minuten - eine ausreichende Versorgung mit Luft gehört zu den allerwichtigsten Bedürfnissen des Menschen. Eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) ist deswegen eine lebensrettende Maßnahme für alle, die aus den verschiedensten Gründen über Nase und Mund nicht mehr genug Luft bekommen.

Kurz erklärt
So bekommt der Körper nach der Tracheotomie Luft
Nach einer Tracheotomie gelangt die Luft nur noch teilweise oder überhaupt nicht mehr über die Nase und den Mund in die Lungen. Der Körper wird dann über eine Trachealkanüle in der Luftröhre, über das Tracheostoma, mit Sauerstoff versorgt. Über dieser Trachealkanüle gelangt die Luft zu den Bronchien. Der Weg den der Sauerstoff zurücklegen muss, ist also kürzer und der Atemwiderstand fällt weg. Dies bedeutet gerade für geschwächte Patienten eine große Erleichterung.

Beispielfoto einer Trachealkanüle
Wann ist eine Tracheotomie notwendig?
Eine Tracheotomie wird aus den unterschiedlichsten Gründen notwendig:
  • Ein Grund kann eine akute Verlegung der Atemwege beispielsweise durch Speisen sein.
  • Die Atemwege können aber auch dauerhaft durch Schwellungen oder Krebswucherungen verstopft sein. Gehen die Ärzte davon aus, dass diese Verlegung akut lebensbedrohlich wird oder aber über längere Zeit anhalten wird, so führen sie eine Tracheotomie durch.
  • Dieser Eingriff kommt aber auch vor Operationen an Kopf oder Hals zum Einsatz. Das geschieht vorsorglich, wenn man davon ausgeht, dass das verletzte Gewebe anschwellen könnte oder wenn man befürchtet, der Patient könnte Speichel oder Magensaft in die Luftröhre bekommen oder bewusstlos werden.
  • Eine wichtige Rolle spielt die Tracheotomie nach Unfällen, bei denen es zu Verletzungen oder Quetschungen im Kopf- oder Halsbereich gekommen ist. Noch vor der Behandlung von Blutungen steht die Sicherstellung der Atmung an allererster Stelle. Wenn es besonders schnell gehen muss, hat sich unter Umständen bereits am Unfallort die Koniotomie als sichere und schnelle Methode erwiesen. Dabei wird eine Nadel unterhalb des Kehlkopfs zwischen zwei Knorpeln eingeführt. Mithilfe eines Drahts wird dann ein Atemschlauch eingeführt und der Draht wieder vorsichtig zurückgezogen. Eine Koniotomie ist aber nur etwas Provisorisches. Danach muss im Krankenhaus immer noch eine Tracheotomie durchgeführt werden. Letztendlich muss sich der Chirurg nach einem Unfall den Patienten immer genau ansehen und je nach Verletzungen und dem allgemeinen Zustand des Patienten entscheiden, ob eine Tracheotomie notwendig ist.
  • An eine Tracheotomie denken Ärzte ebenfalls dann, wenn ein Patient einen Stridor hat. Das ist ein Atemgeräusch beim Einatmen. Es kommt durch eine Verengung der Luftröhre zustande, die das Einatmen erschwert und unter Umständen bereits eine Atemnot anzeigt. Auch Verengungen auf Höhe des obersten Abschnitts des Kehlkopfs oder den Stimmlippen können eine Tracheotomie notwendig machen.

Tracheotomie auf der Intensivstation
Nach Unfällen oder größeren chirurgischen Eingriffen können viele Patienten vorübergehend nicht selbständig atmen. Wenn der Patient nicht richtig über Nase und Mund atmen kann, erhält seine Lunge nicht genug Sauerstoff. Dann wird überlegt, ob der Patient künstlich beatmet wird. Bei einer künstlichen Beatmung wird entweder durch den Mund ein Schlauch in die Luftröhren eingeführt (orale Intubation) oder während der Narkose eine Maske auf Mund und Nase gelegt. Ist es abzusehen, dass ein Patient über längere Zeit nicht selbständig atmen kann, ist es sinnvoll einen Luftröhrenschnitt durchzuführen und ein Tracheostoma anzulegen.

Tracheotomie als lebensrettende Maßnahme bei einigen neurologischen Erkrankungen
Bei einigen neurologischen Erkrankungen besteht ein hohes Risiko für ein akutes Atemversagen oder Schluckprobleme. Dazu zählen beispielsweise Patienten mit ALS, also einer Amyotrophen Lateralsklerose, mit Kinderlähmung oder Menschen mit der Muskelschwäche Myasthenia gravis. Auch Menschen, die eine größere Schädel-Hirn-Verletzung oder einen Schlaganfall hinter sich haben, sind gefährdet für ein Atemversagen.
Patienten mit Demenz, Morbus Parkinson oder nach einem Schlaganfall haben häufig Schluckprobleme. Diese Menschen erhalten dann bestimmte Medikamente und beginnen eine Schlucktherapie. Bei diesen Patienten kann eine Tracheotomie notwendig werden, um das Schlucken vom Atmen völlig zu trennen. Denn der Speichel, der nicht geschluckt werden kann, birgt das Risiko von wiederholten Lungenentzündungen.

Tracheotomie manchmal auch bei Kindern nötig
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Deswegen dürfen die Erfahrungen über Luftröhrenschnitte bei Erwachsenen nicht ohne Weiteres auf die Kleinen übertragen werden. Manche Kinder kommen bereits mit Atemproblemen auf die Welt. Dies liegt oft an Fehlbildungen am Kehlkopf oder der Luftröhre. Hauptkennzeichen von Atemnot bei Kindern ist der Stridor, das Rasseln beim Einatmen. Bei manchen Kindern besitzt der Kehlkopf zu wenig Kalzium und ist deswegen zu weich. Auch dann ist das Atmen erschwert und häufig eine Tracheotomie angebracht.

Tracheotomie am Lebensende
In der Palliativmedizin, also dann, wenn keine Heilung mehr möglich ist und es nur noch um die Linderung von Leiden geht, muss sorgfältig überlegt werden, ob eine Tracheotomie Sinn macht oder nicht. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht dabei immer die Lebensqualität, und je nach Patientenwunsch auch die Lebensverlängerung. Die Entscheidung pro oder contra Tracheotomie muss immer von der persönlichen Lebenssituation abhängig gemacht und mit dem Patienten und seinen Angehörigen zusammen entschieden werden.
Eine Tracheotomie wird in erster Linie bei Patienten durchgeführt, die an einem Tumor leiden, der die Atmung behindert. Manche Patienten besitzen schon ein Tracheostoma, wenn sie in die Palliativabteilung eines Krankenhauses oder in eine externe palliative Versorgungseinheit kommen. Geht es auf das Ende zu, vermeidet man eine Tracheotomie eher, um die Lebensqualität nicht zu beeinträchtigen.
Wie wird eine Tracheotomie durchgeführt?
Es gibt zwei verschiedene Methoden einen Luftröhrenschnitt zu setzen. Ärzte unterscheiden zwischen einer chirurgischen Tracheotomie und einer dilatativen Tracheotomie. Für welche Methode sich der Arzt entscheidet, hängt in erster Linie davon ab, wie lange der Patient voraussichtlich mittels einer Trachealkanüle mit Sauerstoff versorgt werden muss.
  • Bei der klassischen chirurgischen Tracheotomie wird die Luftröhre unterhalb der Schilddrüse aufgeschnitten und eine stabile Öffnung präpariert. Dabei wird ein Teil der Luftröhre aufgeklappt und mit der Haut am Hals fest vernäht. Diese Methode wird immer gewählt, wenn abzusehen ist, dass der Patient dauerhaft mit Hilfe einer Trachealkanüle mit Sauerstoff versorgt werden muss.
  • Benötigt ein Patient diese Form der Sauerstoffversorgung nur passager, wählt der Arzt eher eine perkutane Dilatationstracheotomie (PDT). Gerade bei vielen intensivmedizinisch betreuten Patienten, die intubiert sind, wird im Bett und nicht unbedingt im Operationssaal diese auch Minitracheotomie genannte Methode verwendet. Dabei wird unter Vollnarkose die Luftröhre mit einer dünnen Nadel punktiert und dieses kleine Loch mit Hilfe eines speziellen Instrumentes schonend aufgeweitet, so dass dann eine Trachealkanüle in die Luftröhre eingeführt werden kann. Dieser Vorgang geschieht unter Sichtkontrolle mithilfe eines in die Luftröhre eingelegten Bronchoskops. Dieses Verfahren ist mit weniger Aufwand verbunden, hat aber auch Nachteile (siehe Tabelle).


Chirurgische Tracheotomie
Dilatative Tracheotomie
Dauer
Für die langfristige Versorgung
Für eine begrenzte Dauer, zum Beispiel auf der Intensivstation
Verfahren
Operation
Punktion
Vorteile
  • Loch stabiler und größer;
  • leichterer Kanülenwechsel;
  • geringere Gefahr die Trachealkanüle falsch zu setzen
  • Kann im Bett und muss nicht im Operationssaal angelegt werden;
  • wird die Kanüle gezogen, verschließt sich das Loch von alleine
Nachteile
  • richtige Operation
  • wird die Kanüle entfernt, muss das Loch mithilfe einer weiteren Operation verschlossen werden
  • instabileres Loch
  • Wechsel der Kanüle schwierig, da die Gefahr besteht, dass das Loch sich ungewollt verschließt
Was sind die Vorteile gegenüber der Intubation?
Die Tracheotomie bietet gegenüber einer Intubation einige Vorteile:
  • Ein Beatmungsröhrchen im Mund macht eine normale Nahrungsaufnahme fast unmöglich. Eine Ernährung muss dann über Magensonde oder Infusionen erfolgen. Nach Anlage eines Tracheostomas hingegen können Patienten essen und trinken und sich frei bewegen. Sie sind in ihrer Mobilität nicht eingeschränkt.
  • Darüber hinaus besteht das Risiko, dass bei längerem Liegen des Beatmungsschlauches die Stimmbänder verletzt werden. Diese Gefahr besteht bei einer Trachealkanüle nach einer Tracheotomie nicht. Eine Trachealkanüle macht darüber hinaus normalerweise auch keine Schmerzen.
  • Ein großer Vorteil einer Tracheotomie ist auch, dass die Luft vom Hals aus einen kürzeren Weg in die Lunge hat als vom Rachen aus. Der Patient braucht dann weniger Kraft, um den Sauerstoff ans Ziel zu befördern. Dies ist ein wichtiger Punkt bei vielfach geschwächten Patienten. Oft wird eine Tracheotomie auch dann durchgeführt, wenn der Betroffene an ein Beatmungsgerät angeschlossen war und jetzt wieder lernen muss, selber zu atmen. Gerade wenn sich die Entwöhnung von einem Beatmungsgerät schwierig gestaltet, kann es sinnvoll sein, dem Patienten für die Anfangszeit das Atmen über einen Luftröhrenschnitt zu erleichtern.