Was ist Tracheostomapflege?
Eine regelmäßige Tracheostomapflege ist wichtig, um das Tracheostoma und die Hautumgebung sauber und trocken zu halten. Dafür sollte das Tracheostoma mindestens zweimal täglich sowie bei jedem Trachealkanülenwechsel gereinigt werden. Auch ist eine laufende Beobachtung des Tracheostomas und seiner Umgebung wichtig, um entzündliche Veränderungen zu erkennen und zu behandeln.
Unmittelbar nach Anlage eines Tracheostomas ist eine häufige Pflege sehr wichtig, denn am Hals befindet sich eine offene Wunde. Keimfreie, das heißt aseptische Pflege ist besonders in diesem Zustand daher ein absolutes Muss. Das bedeutet, dass der Verbandswechsel unter strengen hygienischen Bedingungen zu erfolgen hat. Dazu gehört auch, dass sich der Betreuer die Hände desinfiziert. Das ist umso wichtiger, wenn der Träger eines Tracheostoma in einer Einrichtung lebt. Sonst besteht die Gefahr, dass Keime von einem Bewohner zum nächsten getragen werden könnten. Je steriler gearbeitet und umso öfter die Tracheostomapflege durchgeführt wird, umso besser geht es letztlich dem Patienten.
Wie läuft die Tracheostomapflege ab?
Folgendes Material wird für die Tracheostomapflege benötigt:

Checkliste
Benötigte Utensilien für die Tracheostomapflege
  • Desinfektionsmittel für die Hände
  • Sterile Handschuhe
  • Spezialreinigungstücher/weiche Vlieskompressen
  • Waschlappen und Handtuch
  • Trachealkompressen in passender Größe
  • Gegebenenfalls ein Kanülentrageband
  • Abwurfbehälter
Sieht das Tracheostoma gut verheilt aus und ist die Haut um das Loch unauffällig, kann man die Pflege auch mit lauwarmem Wasser und sanften Pflegemitteln durchführen. Ist die Haut um die Öffnung gerötet, bietet sich der Einsatz von Wundspüllösungen an. Bei Zeichen von schweren Entzündungen oder offenen Wunden müssen Desinfektionsmittel für Schleimhäute und antiseptische Cremes aufgetragen werden.

Die Tracheostomapflege läuft dann wie folgt ab:
  • Der Patient wird über die anstehende Tracheostomapflege informiert
  • Die Hände werden desinfiziert
  • Der Patient wird auf den Rücken gelegt und der Hals leicht überstreckt. Eventuell muss Sekret abgesaugt werden
  • Eine Person hält während der Reinigung die Trachealkanüle in der richtigen Position. Eine andere Person öffnet die Klettverschlüsse des Haltebändchens und entfernt es
  • ie alte Trachealkompresse wird mithilfe einer Pinzette entfernt. Die Haut um das Tracheostoma wird mit nicht-fußelnder Watte gereinigt. Wichtig ist, immer von der Öffnung im Hals wegzustreichen, damit kein Sekret mit Keimen in das Tracheostoma gerät
  • Dann den Hals mit milden Produkten waschen
  • Im Anschluss die lokale Stelle trocknen lassen
  • Danach werden die Öffnung und die umgebende Haut untersucht. Ist dort etwas wund oder gerötet, müssen evtl. Salben aufgetragen werden. Immer zwingend erforderlich ist ein Hautschutz, der die Umgebung des Stomas vor dem Sekret schützt
  • Dann eine neue Trachealkompresse unter die Kanüle legen
  • Gegebenenfalls wird ein neues Kanülentragebändchen angelegt oder das alte wieder eingefädelt und die Klettverschlüsse geschlossen
  • Ganz wichtig: Den richtigen Sitz der Trachealkanüle überprüfen. Unter Zug darf sie sich nur zwei bis drei Millimeter bewegen. Zwischen Hals und dem Bändchen sollte ein kleiner Finger Platz haben
  • Hände gründlich waschen und desinfizieren


Wichtiger Hinweis
❗ Keime, die über ein Tracheostoma in den Körper gelangen, haben nur einen sehr kurzen Weg bis zur Lunge. Deswegen ist bei einem Stoma im Hals die Gefahr einer Lungenentzündung besonders hoch.
❗ Zinkhaltige Cremes wie Penatencreme eignen sich nicht zur Tracheostomapflege. Diese Cremes verschließen die Poren der Haut und hemmen dadurch die Atmung der Haut. Außerdem sind die Reste der Creme schwierig zu entfernen und würden dann wieder zu Reizungen führen. Das in der Creme enthaltene Zink trocknet die Haut aus.
❗ Keine größeren Mullkompressen zu einer Trachealkompresse zuschneiden! Hierbei könnten sich einzelne Mullfäden lösen und versehentlich ins Tracheostoma geraten.
❗ In das Tracheostoma darf niemals Flüssigkeit geraten. Sonst besteht die Gefahr, dass Keime in die Lunge gelangen und dort eine Lungenentzündung verursachen.
Was ist die richtige Trachealkompresse?
Trachealkompressen spielen in der Tracheostomapflege eine wichtige Rolle. Sie nehmen Sekret auf und polstern die Halsplatte. Das Angebot an verschiedenen Kompressen ist groß. Geschlitzte Kompressen erlauben einen Wechsel ohne, dass die Trachealkanüle abgenommen werden muss.
Folgende verschiedene Kompressen stehen zur Verfügung:
  • Einlagige Kompressen sind dünn und tragen kaum auf. Sie polstern allerdings auch nicht gut und können eher wenig Sekret speichern.
  • Bei Trachealkompressen mit einer Schicht aus Aluminium wird die graue Seite auf die Haut gelegt. Durch das Aluminium verklebt die Kompresse nicht mit Sekret oder Blut, kann aber nur wenig Sekret aufnehmen. Die Schicht aus Aluminium hemmt dafür das Wachstum von Bakterien.
  • Kompressen aus Polyurethanschaum können viel Sekret aufzunehmen und polstern sehr gut.
  • Zwei- oder dreilagige Kompressen können besonders viel Sekret aufnehmen. Manche mehrlagigen Kompressen haben oben eine wasserundurchlässige Schicht. Das hat den Vorteil, dass die Kleidung nicht nass wird.

Bei stark geschädigter Haut kann man auch einen Hydrokolloidverband anlegen. Unter einem derartigen Verband herrscht Sauerstoffmangel, der erst behoben wird, wenn die innere Schicht mit dem Wundsekret reagiert. Durch den Mangel an Sauerstoff werden Zellen des Immunsystems angeregt. Diese Zellen unterstützen durch das Freisetzen von bestimmten Stoffen die Wundheilung. Hydrokolloidverbände sind aber für die Behandlung von Tracheostoma nicht offiziell zugelassen. Der Einsatz erfolgt „Off Label Use“. Das heißt, ein Arzt sollte für den Einsatz die Verantwortung übernehmen.