Welche Tracheostoma-Komplikationen gibt es?
Je nach zeitlichem Auftreten unterscheidet man bei den Komplikationen nach einer Tracheotomie zwischen drei Gruppen:
  • perioperative Komplikationen (Komplikation während und bis 24 Stunden nach dem Eingriff): Hierzu zählen etwa Blutungen am Stoma
  • postoperative Komplikationen (Komplikationen nach mehr als 24 Stunden nach dem Eingriff)
  • Spätkomplikationen (nach mehr als 6 Monaten nach dem Eingriff auftretende Komplikationen)
Über diese drei Gruppen hinaus können jedoch manche Beeinträchtigungen wie die lebensbedrohliche Verlegung der Trachealkanüle zu jedem Zeitpunkt nach einer Tracheotomie auftreten.
Verlegung der Trachealkanüle
Eine gefürchtete, lebensbedrohliche Komplikation nach einer Tracheotomie ist ein Verstopfen der Trachealkanüle durch Sekretreste, Blut und Borken. Solche Verlegungen können zu jedem Zeitpunkt nach einer Tracheotomie auftreten. Mögliche Ursachen sind schlechte Kanülenpflege, unzureichende Anfeuchtung der Atemluft oder eine Entzündung der Luftröhre (Tracheitis). Die Symptome sind Atemnot, Hustenanfälle und Geräusche beim Einatmen (Stridor). Je nach Größe, Lage und Konsistenz kann ein solcher Pfropf in die Luftröhre oder Bronchien abrutschen und dann Hustenattacken verursachen. Dauerhaft kann dies zu einer Bronchitis oder Lungenentzündung führen. Beim Patienten muss in diesen Fällen die verstopfte Kanüle entfernt und durch eine gereinigte Kanüle ersetzt werden. Grundsätzlich sollten deshalb für den Notfall eine Absaugvorrichtung und eine Wechselkanüle bereitstehen.
Perioperative Tracheostoma-Komplikationen
Die häufigsten Komplikationen während und direkt nach einer Tracheotomie sind Blutungen, häufig direkt am Tracheostoma aber auch am distalen Ende der Trachealkanüle. Bei einer perkutan-dilatativen Tracheotomie (PDT) können in seltenen Fällen Verletzungen der Luftröhren-Hinterwand und Knorpelspangen-Brüche auftreten. Kontrollmöglichkeiten wie zum Beispiel durch eine Bronchoskopie können helfen, insbesondere Luftröhren-Verletzungen zu vermeiden. Auch eine Verletzung des Kehlkopfes, der Schilddrüse oder der Stimmbandnerven mit späterer Heiserkeit sind möglich.
Wenn bei der chirurgischen Anlage eines Tracheostomas die Luftröhre mit der Haut nicht ausreichend verbunden ist, kann Luft in das Gewebe eindringen und ein Emphysem entsteht. Es zeigt sich als Schwellung der Haut mit tastbarem Knistern am Hals. Hautemphyseme können auch bei falscher Kanülenposition und -größe auftreten. Emphyseme in den ersten Tagen nach Tracheotomie bedürfen nur selten einer besonderen Behandlung.
Gelegentlich ist auch ein Pneumothorax möglich. Dabei gelangt Luft oder Flüssigkeit in den Rippenfellraum zwischen Lunge und Brustwand. Diese umgehend zu behandelnde Komplikation behindert die Ausdehnung eines Lungenflügels, was die Atmung stark eingeschränkt.
Postoperative Tracheostoma-Komplikationen
Auch noch Tage bis Wochen nach einem Eingriff kann es durch Druckschäden (Geschwüre) oder Infektionen zu gelegentlich sogar starken Blutungen aus Luftröhre und/oder dem umgebenden Gewebe kommen.
Eine ernsthafte Komplikation stellen Infektionen des Tracheostomas dar. Dabei muss vor allem berücksichtigt werden, dass viele der betroffenen Patienten einen schlechten Allgemeinzustand und ein eingeschränktes Immunsystem haben. Wundinfektionen können auch Wundheilungsstörungen bis hin zum Absterben des Gewebes (Nekrose) zur Folge haben.
Bei Verwendung zu großer Trachealkanülen oder bei einem zu hohen Cuffdruck über eine längere Zeit können Geschwüre oder Gewebewucherungen (Granulationen) in der Luftröhre entstehen. Diese können zur Verengung oder Aufweichung der Luftröhre führen (Tracheomalazie).
Geschwüre in der Luftröhre können in die Speiseröhre einbrechen. Es entsteht eine bleibende, nicht-natürliche Verbindung (tracheoösophageale Fistel), die operativ behandelt werden muss.
Spätkomplikationen
Eine gefürchtete Spätkomplikation nach Tracheotomie ist die Verengung der Luftröhre (Trachealstenose), die zu einem Verschluss der Atemwege führen kann. Typischerweise tritt sie im Bereich der Luftröhren-Eröffnung oder in Höhe des Cuffs bei zu hohem Cuffdruck auf. Ursachen für derartige Stenosen können Verletzungen beim Trachealkanülenwechsel, Gewebewucherungen nach Knorpelspangenbrüchen und Infektionen im Bereich der Öffnung sein. Besonders bei Patienten mit einem Dilatationstracheostoma, kann der Kanülenwechsel häufiger zu Blutungen, Verletzungen und Granulationen an der äußeren Öffnung, aber auch zu Verschlüssen der Luftröhre führen.
Vorübergehende Schwellungen der Schleimhaut können mit Medikamenten behandelt werden. Die dauerhafte narbige Verengung der Luftröhre wird gegebenenfalls durch Dehnung oder mit Laserstrahlen behandelt. Selten ist eine plastisch-chirurgische Erweiterung erforderlich. Tracheostomata besitzen nach Entfernung der Trachealkanüle die Tendenz zu schrumpfen, insbesondere nach Entfernung des Kehlkopfes. Wenn Patienten jahrelang gewohnt sind, keine Trachealkanüle zu tragen, kann bei unerwarteter Schrumpfung des Tracheostomas eine akute Atemnot auftreten. Deshalb sollten auch Patienten, die im Alltag keine Kanüle tragen, diese in regelmäßigen Abständen wieder einsetzen, um das Tracheostoma offen zu halten.
Schluckstörungen (Dysphagie) sind eine sehr häufige Begleiterkrankung von tracheotomierten Patienten und bedürfen eines gezielten Schlucktrainings.

Wichtiger Hinweis
❗ Da immer die Gefahr einer Verstopfung besteht, sollten für den Notfall grundsätzlich eine Absaugvorrichtung und eine Wechselkanüle bereitstehen.
❗ Eine Schwellung der Haut mit tastbarem Knistern am Hals spricht für ein Hautemphysem.
❗ Schluckstörungen sind eine sehr häufige Begleiterkrankung von tracheotomierten Patienten und bedürfen eines gezielten Schlucktrainings.