PROLIFE tracheon Tracheotomie und Laryngektomie
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Sprechen mit Tracheostoma

Wie funktioniert Sprechen mit Tracheostoma?

Nach einer Tracheotomie ist der Patient zunächst nicht in der Lage zu sprechen, da der zum Sprechen notwendige Luftstrom aus dem Tracheostoma entweicht und nicht über die Stimmlippen des Kehlkopfes geleitet wird. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, auch mit Tracheostoma das Sprechen wieder zu erlangen:
Sind die Stimmbänder des Kehlkopfes und die oberen Atemwege noch intakt und funktionsfähig, dann kann das Sprechen durch den Einsatz eines Sprechventils (Tracheostomaventil) und einer Sprechkanüle ermöglicht werden. Nach der Entfernung des Kehlkopfes, d.h. des natürlichen Sprechapparates, ist das Sprechen nur mit einer Stimmprothese, einem Elektrolarynx, einer Laryngoplastik oder der Ruktusstimme möglich.

Wie funktioniert Sprechen bei erhaltenem Kehlkopf?

Bei einer Atmung über eine Trachealkanüle wird die Luft nicht durch den Kehlkopf geleitet und steht nicht zur Stimmbildung zur Verfügung. Ist der Kehlkopf als Stimmbildungsorgan grundsätzlich erhalten, so kann bei der Verwendung einer entsprechenden Trachealkanüle eine Stimme gebildet werden.

Dies funktioniert jedoch grundsätzlich nur, wenn die Ausatem-Luft durch die Verwendung eines Zuhalten der Kanüle mit dem Finger oder aber durch die Verwendung eines Sprechventils durch den Kehlkopf und nicht durch die Trachealkanüle geleitet wird. Ein Sprechventil ermöglicht das Einatmen via Trachealkanüle, verschließt sich aber beim Ausatmen.

Als Trachealkanülen eignen sich zur Stimmbildung sogenannte Sprechkanülen. Diese besitzen in ihrer Krümmung eine Aussparung, die auch als Phonationsfenster (= Sprechfenster) bezeichnet; man spricht von einer gefensterten (fenestrierten) Kanüle. Die Sprechöffnung kann aus einer einzelnen Öffnung bestehen oder aus vielen kleineren Löchern (gesiebte Kanüle). Wird zusätzlich das erwähnte Sprechventil auf die Sprechkanüle aufgesetzt, so wird beim Ausatmen der eingesogene Luftstrom durch das Phonationsfenster durch den Kehlkopf in die oberen Atemwege geleitet und steht dort für Stimmbildung, Räuspern, Husten zur Verfügung. Neben Sprechkanülen können aber natürlich auch normale ungeblockte Kanülen in Verbindung mit einem Sprechventil verwendet werden. Die Ausatemluft strömt dann zwischen Kanülenaussenwand und Tracheawand hindurch. Natürlich muss aber dieser Raum zwischen Kanüle und Tracheawand groß genug sein. Alternativ kann auf eine Kanüle mit kleinerem Aussendurchmesser oder eben auf eine Sprechkanüle gewechselt werden.

Welche Alternativen gibt es nach einer Kehlkopfentfernung?

Nach einer Kehlkopfentfernung stehen im Wesentlichen vier Alternativen zur Wahl:

  • Stimmprothese
    Eine Stimmprothese ist ein Ventil, das meist während der Kehlkopfentfernung in eine chirurgisch angelegte Verbindung zwischen der Luft- und Speiseröhre eingesetzt wird. Nach Verschluss des Tracheostomas mit dem Finger oder einem Sprechventil, gelangt die ausgeatmete Luft über die Luftröhre und das Ventil in die Speiseröhre. Sie strömt dann weiter durch den Speiseröhreneingang in den Mund. Die Schleimhautfalten in der Speiseröhre werden in Schwingungen gebracht und ermöglichen dadurch die Stimmbildung. Das Sprechen mit Stimmprothese ist in kurzer Zeit erlernbar. Die Stimmprothese ermöglicht ein Sprechen mit dem gesamten Lungenvermögen. Es können auch längere Sätze formuliert werden.

Laryngoplastik

Eine Laryngoplastik ist ein sehr aufwändiger chirurgischer Eingriff bei dem nach der Kehlkopfentfernung ein Kanal aus einem Haut-Muskellappen vom Unterarm gebildet wird, der eine permanente Verbindung von Luft und Speiseröhre herstellt (Tracheoösophageale Fistel). Bei einer Laryngoplastik ist aber kein Einsatz einer Stimmprothese erforderlich, das heißt sie ist „wartungsfrei“. Neben der sehr aufwändigen Operation ist eine Laryngoplastik häufig mit Mundgeruch beim Sprechen verbunden. Dieser entsteht durch bakterielle Ablagerungen in der Fistel. Die Stimme mit einer Laryngoplastik ist exakt gleich wie die Stimmprothesenstimme.

Ruktusstimme

Die Ruktusstimme ist auch eine Ersatzstimme. Sie funktioniert ohne jegliche technische Hilfsmittel, ohne Operation mit Einlegen einer Sprechprothese und ohne dass das Tracheostoma verschlossen werden muss. Der Patient ist also weitgehend unabhängig vom Arzt. Es wird Luft verschluckt und kontrolliert wieder abgegeben (quasi gerülpst). Dabei entstehen Schwingungen der Schlundschleimhaut, die im Mund zu Worten geformt werden. Das Erlernen der Ruktusstimme erfordert einige Übung und ist oft schwieriger als das Sprechen mit einer Stimmprothese.

Elektrolarynx

Auch bei Verwendung eines Elektrolarynx ist zum Sprechen keine Operation und kein Verschließen des Tracheostomas notwendig. Ein Elektrolarynx ist ein elektrisch betriebener Tongeber, der wie ein kleines Mikrophon aussieht. Der Elektrolarynx besitzt eine vibrierende Membran, die an den Hals gehalten wird. Dann wird per Knopfdruck die Vibration des Gerätes ausgelöst. Die Schwingungen übertragen sich über den Hals in den Mundraum und können dort wie vor der Operation zu Lauten geformt werden. Eine Elektrolarynx-Stimme ist monoton, klingt „roboterhaft“ und wird oft als unangenehm empfunden. Deshalb muss sich der Zuhörer meist etwas einhören. 

Sprechen mit Tracheostoma
Sprechen mit Tracheostoma