Kehlkopfkrebs – was ist das?
Der Kehlkopfkrebs oder auch Larynxkarzinom steht auf der Liste der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland bei den Männern auf Platz 14 und bei den Frauen auf Platz 18. Damit handelt es sich bei Kehlkopfkrebs um die häufigste Krebserkrankung im Kopf-Hals-Bereich. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 3.000 Männer und etwa 500 Frauen an dieser bösartigen Wucherung im Kehlkopf. Die meisten Betroffenen erkranken im Alter zwischen 60 und 70 Jahren.
Am häufigsten tritt der Kehlkopfkrebs in der Glottis auf. Das ist der Bereich des Kehlkopfs, der für die Stimmbildung verantwortlich ist.

Kurz erklärt
Wofür ist der Kehlkopf da?
Der Kehlkopf – auch Larynx genannt – ist ein Teil des Atemtrakts, der sich im vorderen Halsbereich am Übergang vom Rachen zur Luftröhre befindet. Von außen erkennt man ihn als Adamsapfel. Der Kehlkopf besteht aus drei Teilen. Oberhalb der Stimmbänder liegt die Supraglottis, auf der Höhe der Stimmbänder die Glottis und unterhalb davon die Subglottis. Der Kehlkopf hat zwei Aufgaben. Zum einen verhindert er, dass Speisen versehentlich in die Luftröhre geraten. Dies geschieht, in dem beim Schlucken der Kehlkopf nach vorne geschoben und damit der Kehldecken verschlossen wird. Zum anderen sind der Kehlkopf und die Stimmbänder ein wichtiger Bestandteil beim Sprechen.
Was sind die Ursachen?
Was das Entstehen von Kehlkopfkrebs begünstigt, ist noch nicht restlos geklärt. Die wichtigsten Hauptauslöser sind nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft Rauchen und Alkoholmissbrauch, vor allem die Kombination von beidem. Da hierzulande mehr Männer als Frauen rauchen und auch mehr Alkohol trinken, erklärt das den Unterschied zwischen den Geschlechtern.
Darüber hinaus begünstigen Virusinfektionen mit dem Epstein-Barr-Virus, mit HPV-Viren, Schadstoffe wie Asbest, chrom- und nickelhaltige Farben und Lacke oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, UV-Strahlen und radioaktive Strahlen, schlechte Mundhygiene und Immunschwäche die Entstehung eines Larynxkarzinoms.
Kann nachgewiesen werden, dass sich ein Kehlkopfkrebs aufgrund der Asbestbelastung am Arbeitsplatz entwickelt hat, kann dies als Berufskrankheit anerkannt werden. Asbest wurde Jahrhunderte als Baumaterial, zum Brandschutz und zur Isolierung verwendet. Wegen der Krebsgefahr wurde dieses Material 1993 in Deutschland weitgehend verboten.

Wie sehen die Symptome aus?
Nicht jeder Tumor macht sich sofort bemerkbar. Kehlkopfkrebs oberhalb und unterhalb der Stimmbänder, an der Supraglottis und der Subglottis macht lange Zeit keine Beschwerden. Wenn Schluckbeschwerden auftreten oder ein Fremdkörpergefühl („ einen Frosch im Hals haben“), ist der Tumor meistens schon recht fortgeschritten.
Die häufigste Form von Kehlkopfkrebs, nämlich die an den Stimmbändern, spürt man jedoch recht früh. Typisches Kennzeichen ist anhaltendes Kratzen im Hals, ständiges Räuspern und eine heisere Stimme. Deswegen gilt generell: wenn Halsschmerzen mit einer rauen Stimme länger als zwei bis drei Wochen anhalten, sollte man einen Arzt aufzusuchen!

Kurz erklärt
Welcher Teil des Kehlkopfs ist betroffen?
Rund zwei Drittel aller Larynxkarzinome betreffen die Glottis. Es handelt sich dabei also um Stimmbandkarzinome. Rund ein Drittel der Krebswucherungen am Kehlkopf befinden sich an der Supraglottis, also oberhalb der Stimmbänder. Ganz selten wächst der Kehlkopfkrebs unterhalb der Stimmbänder auf der Subglottis. Wird der Tumor nicht rechtzeitig entfernt, wächst er in die umliegenden Organe weiter und kann auch zu Metastasen in anderen Organen führen.
Wie erfolgt die Diagnose?
Hat der Hausarzt den Verdacht, dass ein Kehlkopfkrebs vorliegt, sollte unbedingt ein Facharzt besucht werden, entweder ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt und/oder ein Kieferchirurg.
Dieser wird dann neben Anamnese und körperlicher Untersuchung mittels Spiegelung und Endoskopie (Laryngoskopie) Teile der Nasenhöhle und des Ohres, tiefere Rachenbereiche und den Kehlkopf untersuchen. Die Laryngoskopie findet in der Regel unter Vollnarkose statt.
Um zu entscheiden, welche Behandlung für den jeweiligen Patienten optimal ist, braucht der Arzt dann weitere möglichst genaue Informationen. Über die Lage und die Größe des Tumors, über die Ausdehnung und den eventuellen Befall weiterer umliegender Strukturen sowie über die Art des Tumors. Hierzu kommen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz wie Ultraschall, Computer (CT)- oder Kernspintomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und PET-CT.

Indirekte, direkte und Mikro-Laryngoskopie
Es gibt verschiedene Geräte, um den Kehlkopf zu untersuchen:
  • Das Gerät für die indirekte Laryngoskopie besteht aus einem kleinen Spiegel an einem Stiel und einer Lupe.
  • Für die direkte Laryngoskopie kommen entweder Endoskope oder kleine Spatel zum Einsatz, die in den oberen Bereich des Kehlkopfs eingeführt werden. Dieser Eingriff findet meist unter Vollnarkose statt.
  • Mithilfe der Mikro-Laryngoskopie wird eine Gewebeprobe des Tumors entnommen und dann im Labor untersucht. Auch diese Untersuchung findet unter Vollnarkose statt.
Wie wird er therapiert?
Ein Larynxkarzinom kann mithilfe einer Operation, mit Strahlen- und Chemotherapie behandelt werden. Auch moderne zielgerichtete Therapien sind heute möglich. Eine Operation gehört fast immer dazu. Die Art der Therapie hängt stark davon ab, wie groß der Tumor ist. Wird er frühzeitig erkannt und ist noch recht klein, muss oft nur ein Teil des Kehlkopfs entfernt werden. Dies ist wichtig, da man immer versuchen wird, das Sprechvermögen des Patienten zu erhalten. Der Chirurg entfernt den Krebs dann durch den Mund, indem er ein Laryngoskop einführt. Wird ein Laser eingesetzt, spricht man von einer Laser-Mikrochirurgie. Dabei handelt es sich um ein vergleichsweise schonendes Verfahren, weil das umliegende Gewebe kaum verletzt wird.
Leider lässt sich ein Larynxkarzinom nicht immer über den Mund entfernen. Je nach Lage und Größe muss die Krebswucherung unter Umständen über einen Schnitt am Hals entfernt werden. Wird der Kehlkopf dabei komplett entfernt (Laryngektomie), ist eine künstliche Atemöffnung am Hals (Tracheostoma) nötig. Nur so kann verhindert werden, dass Speisen in die Luftröhre gelangen.

Beispielfoto Luftfluss nach einer Laryngektomie ohne und mit Stimmprothese


Da keine Stimmbänder mehr vorhanden sind, kann der Betroffene nicht mehr normal sprechen. Er muss dann lernen mithilfe einer Stimmprothese , einer elektronischen Sprechhilfe (auch als Elektrolarynx bezeichnet) oder einer Ösophagusersatzstimme zu kommunizieren. Bei der Ösophagusersatzstimme (auch als Ruktusstimme bezeichnet) lernt der Patient, Luft in die Speiseröhre zu drücken und diese für die Bildung von Lauten zu nutzen.

Beispielfoto Verbale Kommunikationsoptionen nach einer Kehlkopfentfernung


Eine Strahlentherapie kann vor, nach oder anstelle einer Operation erfolgen. Das ist abhängig vom Stadium der Erkrankung und dem Zustand des Patienten. Eine Chemotherapie wird bei fortgeschrittenem Kehlkopfkrebs nach einer Operation eingesetzt, meist in Kombination mit einer Strahlentherapie. Eine Chemotherapie allein wird nur bei Rückfällen und Metastasen eingesetzt.
Eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie kommt für Patienten, die nicht mehr operabel sind, in Frage. Zielgerichtete Therapien hemmen das Tumorwachstum, in dem sie Signalwege des Tumorstoffwechsels blockieren. Wird ein Larynxkarzinom rechtzeitig entdeckt, sind - abhängig vom Sitz und von der Ausdehnung des Tumors und davon, ob sich der Tumor vollständig entfernen oder zerstören lässt, - die Heilungschancen gut.
Allerdings entwickeln 9% bis 12% der Patienten neue Tumore (Rezidive) im Bereich der Halslymphknoten, 90% innerhalb der ersten beiden Jahre nach der ersten Operation. 10 bis 20% entwickeln einen Zweittumor. Daher ist eine sorgfältige langfristige Nachsorge sehr wichtig!
Fünf Jahre nach der Diagnose Kehlkopfkrebs leben noch 65 bis 75 Prozent aller Patienten.