Was ist ein Cuff?
Ein Cuff ist eine aufblasbare Manschette/Ballon am unteren Ende einer Trachealkanüle. Ist der Cuff gefüllt, kann damit der Raum zwischen Trachealkanüle und Luftröhrenwand rundherum abgedichtet werden. So wird verhindert, dass herunterlaufendes Sekret oder Speisereste in die Lunge gelangen. Bei einer Beatmung wird mit dem Cuff zudem gewährleistet, dass die Luft nicht an der Kanüle vorbei über die oberen Atemwege entweichen kann, sondern die Lunge erreicht.

Der Cuff ist über einen Füllschlauch mit einem außen liegenden Kontrollballon verbunden. Anhand dieses Kontrollballons kann erkannt werden, ob der innerhalb der Luftröhre befindliche Cuff gefüllt ist oder nicht. Zudem kann der Druck mithilfe dieses Ballons je nach Bedarf auf- und abgebaut werden. Wird der Druck aufgebaut, spricht man von „cuffen“ oder blocken, wird der Druck abgebaut, spricht man vom „entcuffen“ oder entblocken.
Beispielfoto eines Cuff
Beispielfoto eines Cuff


Infobox
Aufgaben von Trachealkanülen mit einem Cuff
  • Die unteren Atemwege werden von den oberen Atemwegen abgedichtet
  • Beatmungsgase strömen so ausschließlich durch die Kanüle
  • Die Aspiration von Speichel, Blut und Erbrochenem in die Lunge wird verhindert
  • Bei Patienten mit Schluckstörungen (beispielsweise nach einem Schlaganfall) kann die Kanüle zum Essen geblockt und danach wieder entblockt werden.
  • Wichtig: Patienten, auf die oben genannte Punkte nicht zutreffen, benötigen keine geblockte Trachealkanüle. Auch bei allen anderen sollte immer wieder überprüft werden, ob ein Cuff wirklich nötig ist.
Wann wird ein Cuff angewendet?
Trachealkanülen mit Cuff kommen immer dann zum Einsatz, wenn der Patient seinen Speichel nicht zuverlässig herunterschlucken kann. Mit einem aufgeblasenen Cuff wird verhindert, dass der Speichel an der Trachealkanüle entlang in die Luftröhre und die tieferen Atemwege gelangt. Dies ist unbedingt zu vermeiden, weil sonst die Gefahr besteht, dass Keime in der Lunge eine Lungenentzündung verursachen können. Der Aspirationsschutz (Schutz, dass kein Speichel in die Luftröhre gelangt) ist aber nicht hundertprozentig. Zwischen dem Cuff und der Schleimhaut der Luftröhre kann sich ein kleines Rinnsal bilden. Dadurch kann Sekret in die unteren Atemwege gelangen. Das ist vor allem bei Patienten mit einem eingeschränkten Hustenreflex gefährlich. Je zäher der Schleim/ Speichel, umso leichter wird der Cuff passiert.

Kurz erklärt
Risiko Lungenentzündung - wenn Speichel in die Atemwege gerät
Speichel erfüllt ganz verschiedene Aufgaben im menschlichen Körper. Dieses Sekret besteht zu 90 Prozent aus Wasser, feuchtet die Mundhöhle an und spült sie. Speichel löst Geschmacksstoffe und macht die Nahrungsstoffe gleitfähig. Säuren werden gepuffert und die Zähne remineralisiert. Speichel wirkt antibakteriell und leitet die Verdauung von Kohlenhydraten ein. Rund ein bis zwei Liter Speichel produziert der Mensch pro Tag und zwar unabhängig von den Mahlzeiten.
Je mehr durch den Mund geatmet wird, umso besser können sich Bakterien im Mundraum verbreiten. Menschen, die eine Trachealkanüle tragen, haben oft einen offenen Mund. Die Mundschleimhaut trocknet deswegen mehr aus und Keime wie Escherichia coli, Staphylococcus aureus und andere grampositive Bakterien können sich verbreiten.
Bei Menschen, die nicht richtig schlucken können, besteht immer die Gefahr, dass neben Speisen und Getränken auch Speichel in die Luftröhre gelangt, sprich aspiriert wird. Je mehr Bakterien im Mund leben, umso größer ist das Risiko, dass diese Keime bei einer Aspiration dann auch in die Luftröhre geraten und dann weiter in die unteren Atemwege. Damit steigt dort das Risiko für eine Lungenentzündung.
Welcher Cuff ist optimal?
Die Luftröhre ist nicht immer kreisrund. Die Form des Cuffs muss sich deswegen der Form der Luftröhre anpassen. Dies ist in der Regel umso einfacher, je dünner und weicher das Material ist. Um so dünner das Material des Cuffs aber ist, desto eher kann es auch undicht werden. Wenn das passiert, verliert der Cuff Luft und dichtet nicht mehr richtig ab. Bewährt haben sich sogenannte high-low Cuffs. „High“ bedeutet hierbei ein großes Volumen, mit „low“ ist ein geringer Druck gemeint. Je größer das Volumen des Cuffs ist, umso flächiger liegt er auf der Schleimhaut auf und umso größer ist der Schutz vor Aspiration. Ein großes Volumen verteilt auch den Druck besser, wenn der Träger beispielsweise versucht zu husten.
Wie hoch sollte der Druck im Cuff sein?
Der Druck im Cuff sollte zwischen 15 bis 20 mmHg oder zwischen 21 bis maximal 28 cm H2O liegen. Keinesfalls darf er 25 mmHg oder 33 cm H2O überschreiten. Dies entspricht dem Druck innerhalb der Gefäße. Bei einem zu hohen Druck im Cuff ist die Durchblutung beeinträchtigt, die Schleimhaut wird dadurch geschädigt. Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und Teile der Schleimhaut sterben ab. Dieser Prozess setzt bereits nach wenigen Stunden mit einem zu hohen Druck ein. Bei zu niedrigem Druck setzt sich Sekret zwischen die Luftröhrenwand und den Cuff. Entfaltet sich der Cuff wegen eines zu geringen Drucks nicht komplett, bilden sich Falten, auch Aspirationsstraßen genannt, auf denen Flüssigkeiten entlanglaufen können.

Kurz erklärt
Risiko Lungenentzündung - wenn Speichel in die Atemwege gerät
Es wird dringend empfohlen, einen Cuffdruckmesser (Manometer) zum Blocken der Kanüle und zur Überprüfung des richtigen Drucks zu benutzen. Anhand der angegebenen Skala lässt sich der richtige Cuffdruck direkt ersehen und Komplikationen aus einer Über-/Unterblockung vermeiden.
Welche Vor- und Nachteile hat ein Cuff?
Im Vergleich zu einer Trachealkanüle ohne Cuff hat eine geblockte Kanüle verschiedene gravierende Nachteile:
Der größte Nachteil ist die Tatsache, dass keine Luft über die oberen Atemwege entweichen kann. Daher kann der Patient nicht sprechen. Auch zum Flüstern fehlt die notwendige Ausatemluft in den oberen Atemwegen. Mit einem Cuff kann weder geräuspert noch richtig gehustet werden. Da der Luftstrom vollständig über die Kanü¬le fließt, sammelt sich das Sekret oberhalb des Cuffs an.
Trachealkanülen mit Cuff können in vielen Situationen lebensrettend sein und sind unter anderem notwendig bei allen Patienten, die beatmet werden müssen. Wo immer möglich, sollten gecuffte Kanülen aber nur zeitweise verwendet werden. Nur mit entcuffter Kanüle und unter Verwendung eines Sprechventils können Patienten wieder lernen, Speichel zu schlucken, sich zu räuspern und zu husten. Die Lebensqualität ist deswegen mit einer Trachealkanüle ohne Cuff deutlich höher.

Wichtiger Hinweis
Es sollte immer wieder überprüft werden, ob wirklich eine geblockte Kanüle notwendig ist oder ob man auf eine nicht-geblockte Kanüle umsteigen kann. Ein Facharzt sollte deswegen in regelmäßigen Abständen den Träger einer geblockten Trachealkanüle dahingehend untersuchen. Wenn Patienten dauerhaft beatmet werden müssen, kann man den Cuff zwischendurch mal entblocken, damit sie während dieser Zeit richtig sprechen können.