Was ist ein Absaugkatheter?
Ein Absaugkatheter ist ein flexibler Schlauch aus PVC oder Silikon, der zum Absaugen von Speichel, Blut oder Speisebrei aus dem Rachen oder der Luftröhre verwendet wird und zu einem der wichtigsten Hilfsmittel in der Tracheostomaversorgung gehört. Ein Absaugen ist dann notwendig, wenn es dem Patienten nicht gelingt, Sekret durch Räuspern oder Husten zu beseitigen. Zum Absaugen wird der Absaugkatheter, der an ein Absauggerät angeschlossen ist, vorsichtig in die Trachealkanüle eingeführt. Nun wird das Sekret unter Sog mit Hilfe des Absaugkatheters entfernt und der Absaugkatheter zurückgezogen. So wird wieder ein freier Atemfluss gewährleistet.
Beispielfoto eines Absaugkatheters


Absaugmanagement
Zwei unterschiedliche Absaugmethoden werden unterschieden:
  • Zum einen die oben und im weiteren beschriebene Absaugung von Sekret unter Sog mittels eines separaten Absaugkatheters. Diese Methode wird auch als endotracheales Absaugen bezeichnet.
  • Davon zu unterscheiden ist die subglottische Absaugung. Bei dieser Form der Absaugung werden spezielle Trachealkanülen eingesetzt, die bereits eine Absaughilfe besitzen. Diese Kanülen verfügen über einen zusätzlichen Schlauch, der oberhalb des Cuffs endet. Von außen lässt sich ein Absauggerät oder eine Spritze anschließen und so das oberhalb des Cuffs angesammelte Sekret absaugen.
Wann werden Absaugkatheter eingesetzt?
Menschen, die eine Trachealkanüle tragen, produzieren mehr Speichel, weil sie die Kanüle tragen. Dies hat damit zu tun, dass die Atemluft durch eine Trachealkanüle kälter und trockener ist, als wenn sie über den normalen Nasen-Rachen-Raum fließt. Zudem ist das Sekret dickflüssiger und kann von Patienten mit einem Tracheostoma schlechter abgehustet werden. Das kann im schlimmsten Fall zum Verstopfen der Trachealkanüle führen. Deswegen ist neben der Anfeuchtung und Erwärmung der Atemluft über auf die Trachealkanüle aufgesteckte HME-Filter das Absaugen des Speichels der wichtigste Punkt, um die Trachealkanüle frei zu halten.

Abgesaugt werden sollte immer nach Bedarf und nicht nach einem festgelegten Rhythmus. Ist der Patient nicht bei Bewusstsein, deuten unter anderem folgende Symptome darauf hin, dass Sekret abgesaugt werden muss:
  • Flüssigkeit ist in der Trachealkanüle sichtbar
  • Rasseln in der Lunge
  • Atmen wird schwerer
  • Wiederholtes Husten
Welche Absaugkatheter gibt es?
Die meisten Absaugkatheter haben eine Öffnung an der Spitze sowie ein bis mehrere seitliche Öffnungen. Atraumatische Absaugkatheter besitzen zusätzlich am Ende einen ringförmigen Wulst um die Spitze. Dadurch entsteht beim Absaugen ein Abstandhalter um die Ansaugöffnung. Das verhindert, dass Schleimhaut mit angesaugt wird.

Der ideale Absaugkatheter sollte so beschaffen sein, dass er
  • das Sekret effizient entfernt
  • so wenig wie möglich mit der Schleimhaut der Atemwege in Kontakt kommt
  • ausreichend biegsam ist, damit es nicht zu Verletzungen der Schleimhäute kommt
  • ausreichend fest ist, damit der Katheter gut in die Atemwege eingeführt werden kann
Der Absaugkatheter sollte immer so klein wie möglich und so groß wie nötig gewählt werden. Auf jeden Fall muss während des Absaugens noch Luft im Katheter zirkulieren können. Als grober Anhaltspunkt gilt: Der äußere Durchmesser des Absaugkatheters sollte maximal die Hälfte des inneren Durchmessers der Trachealkanüle nicht überschreiten. Für eine Trachealkanüle mit einem inneren Durchmesser von 8 Millimeter darf maximal ein Absaugkatheter mit einem Außendurchmesser von 4 Millimeter verwendet werden. Das entspricht dem weißen Absaugkatheter mit 12 Charrière.

Kurz erklärt
Farbkodierung von Absaugkathetern
Die Größen der Absaugkatheter reichen von 5 bis 20 Charrière mit Längen von 20 bis 60 cm. Der Durchmesser ist durch unterschiedliche Farben des Anschlusstrichters am oberen Ende gekennzeichnet.

Wie wird die Absaugung durchgeführt?
Zunächst sollten alle benötigten Materialien zurechtgelegt werden. Hierzu gehören das Absauggerät mit Zubehör, sterile Handschuhe, Absaugkatheter sowie ein Behälter mit Wasser. Der Absaugvorgang besteht dann grob aus folgenden Einzelschritten:
  • Patienten ansprechen und informieren
  • Hände waschen und desinfizieren
  • Sterile Handschule anziehen
  • Äußere Verpackung des sterilen Einmal-Absaugekatheters öffnen
  • Absaugkatheter mit dem Fingertip am Ende des Absaugschlauch verbinden (auf steriles Hantieren achten!)
  • Absauggerät einschalten und Sogstärke kontrollieren
  • Angeschlossenen Absaugkatheter aus der Verpackung nehmen
  • traumatische Absaugkatheter vorsichtig in die Trachealkanüle ohne Sog einführen, atraumatische Absaugkatheter mit Sog
  • Absaugkatheter unter Sog und leicht drehender Bewegung langsam herausziehen
  • Absaugkatheter entsorgen
  • Absauggerät ausschalten
  • Absauggschlauch und Fingertip gründlich spülen


Checkliste
Wichtige Grundsätze beim Absaugen
  • Die Sogstärke sollte immer so gering wie möglich gehalten zu werden. Empfehlungen gehen von einem Sog im Bereich von -0,1 bis -0,16 Bar bis maximal -0,2 Bar aus.
  • Wie tief der Katheter eingeführt werden soll, hängt auch davon ab, ob der Patient in der Lage ist, auch selbst Sekret abzuhusten. Um die Schleimhäute nicht zu verletzen, ist aber möglichst oberflächliches Absaugen eher zu empfehlen als tieferes.
  • Ein Absaugvorgang darf nicht länger als 10 bis 15 Sekunden dauern. Zwischen den einzelnen Absaugsequenzen sollte dem Betroffenen etwas Zeit zum Erholen gegeben werden. Empfohlen werden maximal drei Runden hintereinander.
  • Beim Absaugen kann es immer wieder zu verschiedenen Komplikationen kommen. Dazu zählen in erster Linie Blutungen und Verletzungen der Schleimhaut der Luftröhre. Ein vorsichtiges und gefühlvolles Umgehen mit dem Absaugkatheter ist deswegen sehr wichtig.